LUDWIGs Bücherpost
Neues aus der Welt der Bücher… Buchbesprechungen und mehrDie Rose von Asturien (Iny Lorentz)
Asturien im anbrechenden Mittelalter: Einst hat Graf Roderich einen Rivalen getötet und dessen Tochter Maite gefangen genommen. Zwar konnte das Mädchen damals fliehen, doch ihr Hass auf den Grafen und seine Sippe ist seither nie erloschen. Als Maite erfährt, dass Roderichs Tochter heiraten soll, ersinnt sie einen raffinierten Plan. Zunächst gelingt ihr die Rache, doch dann geschieht etwas, womit Maite niemals gerechnet hätte…
Zufälligerweise lag dieser neue Roman im Neuerscheinungs-Regal der Stadtbibliothek und so kam ich nicht umhin, ihn gleich mitzunehmen.
Endlich einmal keine „Frau verkleidet sich als Mann“-Geschichte, sondern ein klassischer, wennglich nicht anspruchsvoller historischer Roman. Spannend und schnell zu lesen, dennoch relativ vorausschauend. Gerade die typische „Wer kriegt wen“-Frage ist doch sehr offensichtlich, auch wenn es noch einige hundert Seiten dauert, bis das Ganze Hin und Her ein Ende nimmt.
Zu empfehlen an Liebhaber der bisherigen Iny Lorentz-Romane.
Die Fakten:
Die Rose von Asturien; Lorentz, Iny. Knaur, 2009. 791 S., Gebunden. ISBN: 978-3-426-66243-4
Angela
Meine Leseliste
Hallo zusammen,
hier die Aktualisierung meiner Leseliste:
Zuletzt gelesen:
- Lorentz, Iny: Die Rose von Asturien
- Francis, Dick: Unbestechlich
- Goethe: Wahlverwandtschaften
Aktuell:
- Haefs, Gisbert: Die Rache des Kaisers
Zu lesen:
- Fry, Stephen: Geschichte machen
- Goethe: Die Leiden des jungen Werthers
- Greene, Graham: Der Dritte Mann
- Gregor, Manfred: Die Brücke
- Grisham, John: Das Fest
- Gruenter, Undine: Sommergäste in Trouville
- Guterson, David: Schnee, der auf Zedern fällt
- Hagelstange, Rudolf: Spielball der Götter
- Harris, Robert: Vaterland
Mal sehen, wie weit ich dieses Jahr noch komme
Angela
Weltkrieg um Wohlstand (Gabor Steingart)
Der Westen muss sich wehren – oder er scheitert
Auf der Insel der Seligen wird es ungemütlich: Die Zeit der europäisch-amerikanischen Dominanz und des selbstverständlichen Reichtums geht zu Ende. Der Westen befindet sich in einem Weltkrieg um Wohlstand. Die asiatischen Angreiferstaaten – vorneweg China und Indien – kämpfen mit aggressiven Methoden um mehr Marktanteile, oft ohne Rücksicht auf die eigene Bevölkerung oder die natürliche Umwelt. Der Westen mit seinen über Jahrzehnten gewachsenen sozialen Verabredungen wird gezielt unterboten, seine Werte in Frage gestellt. Was Befürworter wie Gegner der Globalisierung nicht sehen oder nicht auszusprechen wagen, dieses Buch macht es deutlich: Der Aufstieg der Angreiferstaaten ist unser Abstieg. Denn mit der wirtschaftlichen Bedeutung verschieben sich auch die politischen Gewichte. Die neuen Rivalen wollen führen, nicht folgen. Präzise und kühl analysiert Gabor Steingart die weltweite Lage. Sein Fazit: Der Westen muss sich wehren – oder er scheitert.
Ich hatte das Buch schon lange bei mir im Regal liegen und habe es jetzt doch mal rausgekramt und begonnen zu lesen. Wirtschaftsanalysen zählen sonst nicht so zu meiner Lieblingslektüre. Das Erscheinungsjahr liegt schon eine Weile zurück und umso spannender war dann für mich zu sehen, wie gesellschaftliche und wirtschaftliche Prozesse, die Steingart in seinem Buch beschreibt, tatsächlich eingetreten sind. Bleibt abzuwarten, ob Asien wirklich eine so starke Wirtschaftsmacht werden wird, wie es im Buch dargestellt wird.
Fakten:
Gabor Steingart: Weltkrieg um Wohlstand, Piper Verlag, München, 4. Auflage, 2006, ISBN 978-3-492-04761-6
Unbestechlich (Dick Francis)
Ich habe das Leben meines Bruders geerbt. Habe seinen Schreibtisch, sein Geschäft, sein technisches Spielzeug, seine Feinde, seine Pferde und seine Geliebte geerbt. Ich habe das Leben meines Bruders geerbt und dabei fast das meine verloren.
Derek Franklin, Steeplechase-Jockey, hat genug eigene Probleme. Mit vierunddreißig nähert er sich dem Ende seiner Karriere, und einem Zusammenstoß mit dem letzten Hindernis in Cheltenham hat er es zu verdanken, daß er jetzt mit einem gebrochenen Knöchel an Krücken herumhumpelt. Der Tod seines Bruders Greville stürzt ihn jedoch in noch größere Schwierigkeiten.
F wie Francis. Wieder ein sehr gelungener, nicht monströs grausamer aber sehr spannender Kriminalroman! Ich habe dieses Buch sehr gern gelesen – und auch wenn ich abends zu spannende Literatur meide: dieses Buch ist zwar spannend aber nicht so grausam, dass man nicht mehr einschlafen kann.
Wieder zu empfehlen an Freunde guter Krimi-Literatur.
Die Fakten:
Unbestechlich: Francis, Dick. Diogenes, 1992. 407 S., Taschenbuch. ISBN: 3-257-22483-4.
Die Kinder unseres Viertels (Nagib Machfus)
Voilà der Klappentext :
Dort, wo die Wüste beginnt, steht das große Haus. Hinter hohen Mauern verborgen wohnt hier der geheimnisvoll Gabalawi, der Stammesvater des Viertels. Er leitet wie mit unsichtbarer Hand das Schicksal seiner Kinder und Kindeskinder. Wächter und Verwalter terrorisieren das Viertel in wiederkehrenden Wellen von Aufruhr und Unterdrückung. Auf Adham folgt Gabal, auf Gabal Rifaa, auf diesen Kasim. Sind sie Figuren der Menschheitsgeschichte, hinter denen sich Adam, Moses, Jesus und Mohammed verbergen ?
„Über kein anderes Buch ist soviel Tinte geflossen wie über diese Parabel, die jahrzehntelang Kontroversen und leidenschaftliche Debatten ausgelöst hat. (SZ)“
Ich habe mich rar gemacht in diesem Monat, und dieses Buch war schuld.
Gerne lese ich Bücher, die Emotionen in ihren Herkunftsländern ausgelöst haben, oder die zu Klassiker der jeweiligen Landesliteratur mutiert sind. Der Roman von Nagib Machfus „Die Kinder unseres Viertels“ ist ein solches Buch. Machfus bekam auch aufgrund dieses Romanes den Nobelpreis für Literatur im Jahre 1988. Anfangs erschien der Roman als Fortsetzungsgeschichte in der Tageszeitung. Nur wurde er dann bereits kontrovers diskutiert, verboten und es drohte ihm die religiöse Verfolgung, weil er das Bild Mohammeds verzerrt habe und der Roman genau so viele Kapitel enthalte wie der Koran Suren – nämlich114. Diese Geschehnisse fielen auch in eine Zeit, in der Salman Rushdie ob seiner Satanischen Verse eine Fatwa auferlegt wurde.
Nun aber genug Backgroundwissen. Dieser Roman ist recht naiv erzählt, eben leicht verständlich an der Oberfläche. Aber wenn man bedenkt, was für Gedankengerüste dahinterstecken, ist er doch sehr dicht, sehr raffiniert.
Eines Tages fliegen zwei Söhne aus einem geheimnisvollen paradieshaften großen Haus in der Wüste, und gründen eine eigene Zivilisation, ein eigenes Viertel. Der eine Bruder Adham wird von seiner Gattin überredet, in einem geheimen Zimmer des Hauses nach einem geheimen Buch zu suchen, und wird dann des Hauses verstossen – also schon mal eine Parallele zu Adam. Danach versuchen seine Nachfahren gegen das Regime diktatorischer raffsüchtiger Wächter und Verwalter aufzubegehren – jeder nach seiner Façon, wo sich dann Parallelen zu Moses, Jesus oder Mohammed erkennen lassen.
Ich fand das Buch trotz der schwierigeren Materie sehr spannend aber auch verständlich, und kann es nur weiterempfehlen. Mit das beste Buch von Machfus, was ich je von ihm gelesen habe.
Grüßle – Sachar
Fakten :
Unionsverlag : Zürich
12,90 € /571 S.
ISBN 978-3-293-20378-5