LUDWIGs Bücherpost
Neues aus der Welt der Bücher… Buchbesprechungen und mehrDer Dämon und Fräulein Prym (Paulo Coelho)
Sachar und Bestseller – ein neuer Selbstversuch
Ein geheimnisvoller Fremder stört eines Tages den Frieden von Bescos, einem gottverlassenen 281-Seelen-Dorf hoch oben in den Pyrenäen. Mit sich führt er eld Goldbarren und einen merkwürdigen Schatte, in dem die greise Berthe, die Tag für Tag vor ihrem Haus am Dorfeingang sitzt, sofort den lange angekündigten Dämon erkennt, der Bescos in den Untergang treiben wird.
Ähnlich wie in Friedrich Dürrenmatts weltberühmtem Stück Der Besuch der alten Dame (das Coelho zu der Grundidee seines Romans inspirierte) macht der Fremde der hübschen Chantal ein verführerisches Angebot und verlangt als Bedingung im Gegenzug eine grausige Tat: Mord.
Chantal muss sich entscheiden, ob sie sich der Herausforderung des Fremden stellen und den Kampf um ihr Glück – zu ihren Bedingungen – wagen will
Paulo Coelhos Bücher schmücken ja schon seit Jahren die Bestsellerregale großer Buchhandlungen, nur warum ?
Ein mir bekannter Professor der portugiesischen Literatur soll seine Literatur als Schrottliteratur bezeichnet haben. Aber wie passt das zusammen, Schrott der sich blendend verkauft ?
Deshalb habe ich jetzt mal den Roman „Der Dämon und das Fräulein Prym“ gelesen. Das Buch wirkt vor allem zu Anfang recht philosophisch, und dies weicht mit der Zeit der der gut durchgeplanten Handlung. Der Autor hat sich ein Experiment überlegt, wie die Aussicht auf Geld Menschen bewegen kann, Böses zu tun, da der fremde Besucher des Bergdorfes Bescos, sich beweisen will, dass alle Menschen böse sind, und es nichts positives gibt. Also tiefschwarze Erwartungen, die sich dank der Schläue der Chantal Prym und der alten Berthe, die die Geister der Verstorbenen hört, nicht bewahrheiten werden. aber upps da habe ich zu viel verraten. Eine gewisse Spannung sollte ja bleiben. Nur so viel das Ende bleibt offen.
Ja die Story hat Ähnlichkeit mit Dürrenmatts Besuch der alten Dame, wirkt aber viel konstruierter. Testlabor des gesellschaftlichen Experiments ist ein kleines Dorf in der Pyrenäen, das es womöglich in der Realität gar nicht gibt. Nur in der Textanordnung fällt die alte Dame aus dem Rahmen, die den Stimmen der Verstorbenen lauscht.
Fazit : Magischer Realismus gemischt mit einem soziologischen Experiment gewürzt mit ein paar philosophischen Betrachtungen.
Das hat mir als Kostprobe von Coelho gereicht .
Keep readin’
Sachar
Fakten : Diogenes : Zürich
Hardcover 199 S. – 3-257-06282-6
Taschenbuch : 978-3257233889 – 7,90 €
Die Rache des Kaisers (Gisbert Haefs)
1519 in der Nähe von Koblenz: Jakob Spengler ist erst fünfzehn Jahre alt, als er zusehen muß, wie Söldner sein Dorf zerstören und seine gesamte Familie ermorden. Die Gesichter der vier Anführer brennen sich für immer in sein Gedächtnis. Als Zanzigjähriger beginnt er schließlich die Mörder zu suchen, aber nach all den Jahren ist die Fährte erkaltet, und eine lange Jagde beginnt.
Die Suche führt ihn nach Rom, ins von den Türken belagerte Wien, durch Frankreich und Navarra nach Andalusien. Auf seinem weiten Weg erlebt er Krieg und Liebe, erringt und verliert Reichtümer, leidet und lacht mit Bauern, Dirnen und Söldnern. Bis zu dem Tag, an dem er dem letzten seiner Feinde gegenübersteht…
Ebenfalls aus dem Neuerscheinungsregal der Stadtbibliothek ist dieser Roman gewesen. Ein etwas anderer historischer Roman, in der „Ich“-Perspektive erzählt, der vom Leben eines jungen Mannes und seiner Suche nach Vergeltung an den Mördern seiner Familie handelt.
Mir hat das Buch nicht SO gefallen, denn letztendlich führt sein Weg von einem Gemetzel und Mord zum nächsten. Wobei die Story an sich doch sehr gut geschildert, aufgebaut und beschrieben ist.
Aber irgendwie scheint mir, als ob dies eventuell eher ein Roman für Männer sein könnte – denn Männer und Frauen lesen ja bekanntermaßen unterschiedlich…
Angela
Die Fakten:
Die Rache des Kaisers: Haefs, Gisbert. 2009, Page & Turner. 1. Auflage, 411 S., Gebunden. ISBN: 978-3-442-20301-7
Maps (Nuruddin Farah)
Askar kommt in Ogaden als Waise auf die Welt. Sein Vater ist dem Krieg zum Opfer gefallen, den Äthiopien und Somalia um dieses karge Land führen, seine Mutter stirbt sofort nach seiner Geburt, doch ein anderer Mensch tritt in das neue Leben: „Ja, du lagst wartend da wie in einem Hinterhalt, bis eine Frau, die von deiner Existenz nichts ahnte, in das dunkle Zimmer trat, in dem du seit der Sekunde deiner Geburt gelegen hattest.“ Die Frau heißt Misra, sie stammt aus Äthiopien und findet das schmutzige Kind mit dem starren Blick. Eine tiefe, liebevolle Beziehung entsteht zwischen den beiden, eine Welt, für die nur das Kind und Misra den Schlüssel besitzen. Doch da ist auch der reiche, böse Onkel Qorrax, den Askar nicht ausstehen kann und der ebenso wie Aw-Adan, der Priester des Dorfes, Anspruch auf Misras Zuneigung erhebt. Der Krieg um Ogaden trennt Askar von Misra und verschlägt den Jungen in die somalische Hauptstadt Mogadischu. Jahre später trifft er Misra dort wieder, aber unter neuen, düsteren Vorzeichen: Sie soll somalische Freiheitskämpfer an Äthiopien verraten haben…
wieder einer meiner SZ-Bibliotheks-Bände, der noch gelesen werden wollte …
Es dreht sich um eine Kindheit in der Region Ogaden, wo der kleine Askar von einer unverheirateten Dienerin namens Misra aufgezogen wird. Später wird er nach Mogadiscio ziehen, wo er bei seinem Onkel und seiner Tante die Jugend verlebt und Bildung geniesst. Bis eines Tages seine „Ziehmutter“ Misra aufsucht und ihn dann die Vergangenheit aufsucht.
Es war interessant, Literatur aus diesem unbekannten Erdteil lesen zu können. Aber für meinen Geschmack war der Roman ehrlich gesagt nicht allzu sehr geeignet. Die Handlung taucht stellenweise ab, und gibt den Platz frei für seltsame mythische Legenden, und davon beeinflusste Traumsequenzen des Jungen Askar. Also etwas zu abgehoben, um die Geschichte richtig zu verstehen. Aber wer solche Art von Literatur schätzt, der lese es.
Fakten :
SZ-Bibliothek ; 66
978-3-86615-516-9
363 S.
– auch als Suhrkamp-Taschenbuch erhältlich.
Die Rose von Asturien (Iny Lorentz)
Asturien im anbrechenden Mittelalter: Einst hat Graf Roderich einen Rivalen getötet und dessen Tochter Maite gefangen genommen. Zwar konnte das Mädchen damals fliehen, doch ihr Hass auf den Grafen und seine Sippe ist seither nie erloschen. Als Maite erfährt, dass Roderichs Tochter heiraten soll, ersinnt sie einen raffinierten Plan. Zunächst gelingt ihr die Rache, doch dann geschieht etwas, womit Maite niemals gerechnet hätte…
Zufälligerweise lag dieser neue Roman im Neuerscheinungs-Regal der Stadtbibliothek und so kam ich nicht umhin, ihn gleich mitzunehmen.
Endlich einmal keine „Frau verkleidet sich als Mann“-Geschichte, sondern ein klassischer, wennglich nicht anspruchsvoller historischer Roman. Spannend und schnell zu lesen, dennoch relativ vorausschauend. Gerade die typische „Wer kriegt wen“-Frage ist doch sehr offensichtlich, auch wenn es noch einige hundert Seiten dauert, bis das Ganze Hin und Her ein Ende nimmt.
Zu empfehlen an Liebhaber der bisherigen Iny Lorentz-Romane.
Die Fakten:
Die Rose von Asturien; Lorentz, Iny. Knaur, 2009. 791 S., Gebunden. ISBN: 978-3-426-66243-4
Angela
Meine Leseliste
Hallo zusammen,
hier die Aktualisierung meiner Leseliste:
Zuletzt gelesen:
- Lorentz, Iny: Die Rose von Asturien
- Francis, Dick: Unbestechlich
- Goethe: Wahlverwandtschaften
Aktuell:
- Haefs, Gisbert: Die Rache des Kaisers
Zu lesen:
- Fry, Stephen: Geschichte machen
- Goethe: Die Leiden des jungen Werthers
- Greene, Graham: Der Dritte Mann
- Gregor, Manfred: Die Brücke
- Grisham, John: Das Fest
- Gruenter, Undine: Sommergäste in Trouville
- Guterson, David: Schnee, der auf Zedern fällt
- Hagelstange, Rudolf: Spielball der Götter
- Harris, Robert: Vaterland
Mal sehen, wie weit ich dieses Jahr noch komme
Angela